Dies ist ein sehr alter Beitrag. Er stammt aus der Zeit vor der thematischen Neuausrichtung dieses Blogs. Möglicherweise sind die folgenden Informationen veraltet!

Der Internationale Karlspreis zu Aachen wird seit 1950 an Menschen verliehen, um ihre Verdienste um die Europäische Einigung zu würdigen. Seit jeher sonnen sich die Aachener Regierenden in der strahlenden Prominenz, die am Verleihungstag Christi Himmelfahrt das Provinzgroßstädtchen heimsucht.

Und jedes Jahr gibt es Proteste gegen den Preis und gegen die Preisträger. Einerseits, weil der Preis nach einem Mann benannt ist, der die Sachsenkriege geführt hat und dem darin die Enthauptung von 4500 Menschen nachgesagt wird. (entnommen dem Wikipedia-Artikel um den Karlspreis, den geschichtlichen Kontext mag sich jeder selbst ergoogeln)

Andererseits trifft der Protest die Preisträger, z.B. Henry Kissinger (kritisiert für seine Haltung im Vietnamkrieg) oder Javier Solana, der im Jugoslawien-Krieg den Befehl für Luftangriffe erteilt hat, obwohl kein UN-Mandat vorgelegen hatte.

Wolfgang Schäuble erhält den Karlspreis

Nun erreicht der Preis meiner Meinung nach einen neuen Tiefpunkt: Nachdem man zunächst verzweifelt gesucht und einfach keinen Preisträger gefunden hat, steht es nun fest: Wolfgang Schäuble soll den Karlspreis erhalten. Als Begründung auf der Webseite von Aachen heißt es: „In Würdigung seiner herausragenden Verdienste um die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas und seiner Rolle als Ideengeber und wichtiger Akteur bei nahezu allen Integrationsfortschritten in den vergangenen drei Jahrzehnten und in Anerkennung seiner bedeutenden Beiträge zur Stabilisierung der Währungsunion und zur Vertiefung des Einigungsprozesses“.

Was dort natürlich – wie bei allen kritikwürdigen Preisträgern vor ihm – nicht steht, sind die negativen Aspekte, die mit seiner Person verbunden werden, die vielleicht nur am Rande mit den Verdiensten um die europäische Einigung zu tun haben, aber ihn trotzdem als Preisträger meiner Meinung nach ausschließen. Aber dafür gibt es ja uns Blogs. Das meiste stammt aus seiner Zeit als Innenminister. Kleine Auswahl:

Vielen internetaffinen Menschen ist seine Zeit als Innenminister noch sehr präsent. Alles in allem nicht unbedingt der nette Europa-Onkel, dem ich einen Friedens- oder Integrationspreis verleihen würde. Aber ich liege vermutlich total falsch und die Stadt Aachen bzw. das Karlspreis-Direktorium werden schon ihre Gründe haben …

Wie ist Eure Meinung?

Quellen: Wikipedia und weitere (siehe Verlinkungen). Fotos: Armin Kübelbeck, CC-BY-SA-Lizenz, Maloxp, CC-BY-SA-Lizenz

Andreas Poschen ist ein Spezialist für Konzeption, E-Commerce, UX und Digital Marketing aus Aachen. Er arbeitet als Product Owner Smart Home für Web, iOS und Android bei einem IT-Mittelständler und schreibt in diesem Blog über seine Arbeit als PO und seine Gedanken. Folgt ihm gerne auf:

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5 Kommentare zu “Karlspreis zu Aachen für Wolfgang Schäuble

  1. twitter_Eyfelgrynch on

    In Zeiten in denen hirnamputierte Möchtegerngangster wie Bushido einen Integrationspreis verliehen bekommen und die Betrügereien des (ehemaligen) obersten Dienstherrn der Bundeswehr als Kavaliersdelikt quasi gesellschaftsfähig sind, passt doch ein Psychopath imRollstuhlals Karlspreisträger ganz primains Gesamtbild.
    Das Direktorium des Karlspreises ist für seinherrausragendes politisches Gespür vorbehaltlos zu loben.
    Ich geh dann mal mein Mittagessen wegbringen….

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  2. Michael on

    Der Karlspreis war m.M.n. schon immer – wie auch der Karnevalsorden – mehr ein Grund etwas vermeintlichen Glanz auf die vermeintlich wichtigen Provinzhonoratioren abfärben zu lassen, als wirklich herausragende Leistung zu würdigen.

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  3. Ichhaberecht*grins* on

    Das ist echt unglaublich…

    Mit dem neuen Tiefpunkt hast du vollkommen Recht.
    Wie kann ein Mensch, der das Grundgesetz und alle Rechte eines Bürgers mit Füßen treten will für einen an sich so ehrwürdigen Preis überhaupt vorgeschlagen werden?

    Ich stamme aus Aachen und habe den Karlspreis eig. immer als Ehre empfunden und mich gefreut, dass dieser international so hohes Ansehen genießt.

    Besonders peinlich finde ich die Haltung unseres Oberbürgermeisters.

    Ich habe mich sehr gefreut, dass wir einen so jungen Bürgermeister gewählt haben, der sehr charismatisch ist und bisher in allen wichtigen Fragen die in meinen Augen richtigen Positionen vereten hat.
    So langsam bestätigt sich allerdings mein kleiner Verdacht, dass er doch nur die Handpuppe der wirklichen Strippenzieher ist.

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