Dies ist ein sehr alter Beitrag. Er stammt aus der Zeit vor der thematischen Neuausrichtung dieses Blogs. Möglicherweise sind die folgenden Informationen veraltet!

Die Zeit der Autodidakten ist vorbei, heißt es in einer von allen Zeitungen wiedergekäuten Pressemeldung der DPA. Lest euch einfach mal einen der Artikel durch. Dort erzählt ein gewisser Patrick Dohmen aus der 10.000 Einwohner Metropole Linnich, der dem „Verband Deutscher Webdesigner und Webmaster in Jülich“, ebenfalls eine Metropole mit immerhin 30.000 Einwohner, vorsteht, dass als er in den 90ern mit Webdesign angefangen hat, ja alles noch so einfach war, und heutzutage die Autodidakten viel zu viel lernen müssten und das man ohne eine Ausbildung im Webdesign nicht weit kommt.

Mir persönlich scheint das wieder mal ein typisch deutsches Denken zu sein. Wir sind die Alten, wir habens gegründet, ihr Neuen könnt doch nix, ihr müsst erstmal durch unseren Bildungsparcour.

Ich war auch Autodidakt aus den 90ern und habe sogar später noch Bildung in die Richtung genossen. Und ich kann auch nach Rücksprache mit aktuell Lernenden sagen: Die Ausbildung ist hierzulande keinen Pifferling wert. In der modernen Werbewelt zählt nicht, wie in good old Germany, was auf dem Papier steht, hier zählt bei erfolgreichen Firmen einzig und allein was du kannst. Und es ist völlig egal, wo das herkommt. Vielleicht gibts noch alte, starre Firmen, denen egal ist, dass auch eine Pfeife einen guten Designabschluss bekommen kann, aber die Moderne wird diese Firmen bald einholen.

Das Web ist ein so schneller und sich rasant entwickelnder Ort, da kommen die Lehrer nicht mit und die Lehrbücher schon dreimal nicht. Ich habs erlebt und es ist heute immer noch so, dass die Schüler wohl eher den Lehrern etwas beibringen. Das Einzige was Webdesigner von heute lernen könnten, wären Grundlagen der Gestaltung, die schon uralt sind. Aber genau DIE kriegen sie nicht beigebracht, weil ist ja Web und nicht Print. Schade Schade!

Naja, jeder hat seine Meinung dazu, ich werde einen Vorsitzenden eines Webmasterverbandes als kleiner Blogger vermutlich nicht von meinem Standpunkt überzeugen können. Was mich allerdings in meinem Standpunkt bestätigt ist die Homepage dieses Bundesverbandes, mit zum Zeitpunkt dieses Artikels wundervoll barrierevollem Tabellenlayout und invalidem Code auf der Startseite, welche aber einen dieser dollen „Ich bin valide“-Buttons enthält. Soviel dazu.

Und bevor jemand dazu übergeht meinen Blog zu bewerten: Ich erhebe keinerlei Anspruch auf lehrmeisterliche Korrektheit meiner Seite, das hier ist ein Hobbyprojekt und ständige Baustelle, aber ich posaune ja auch nicht eine scheinbar höherwertige Position gegenüber Autodidakten per dpa in den Äther hinaus.

Andreas Poschen ist ein Spezialist für Konzeption, E-Commerce, UX und Digital Marketing aus Aachen. Er arbeitet als Product Owner Smart Home für Web, iOS und Android bei einem IT-Mittelständler und schreibt in diesem Blog über seine Arbeit als PO und seine Gedanken. Folgt ihm gerne auf:

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9 Kommentare zu “Die Zeit der Autodidakten ist noch lange nicht vorbei

  1. enners on

    Hi, der Artikel war heute morgen bei uns in der regionalen Zeitung auf der Titel-Seite des Stellenmarktes. Konnte auch nur mit dem Kopf schütteln, aber das tue ich eigentlich laufend bei der Zeitung. Danke für Deine Gegendarstellung, hätte ruhig umfangreicher sein dürfen!

    Gruß
    enners (autodidakt aus den 90ern)

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  2. Miva on

    Hallo, das darf ich mir als kleiner (designer) in der Großen Welt auch anhören… ich habe keine Chance!?
    Ich bin noch sehr Jung und habe vielleicht noch nicht sehr viel erfahrung, aber das was ich kann und wozu ich fähig bin erkennen die Leute die einmal mit mir zusammen Arbeiten, denn was bringt ein Studium wenn man es nicht aus Leidenschaft aus Spaß u.s.w. tut?

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  3. Linda Felkel on

    Schönen guten Tag!

    Eine Autodidaktin sagt: „Vielen Dank“! Tut gut sowas zu lesen, dass Autodidakten sich nicht zu schämen brauchen!

    Mit freundlichen Gruß aus Filderstadt
    Linda Felkel

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  4. Daniel on

    Naja, stimmt schon irgendwie. Nur eines verstehe ich nicht ganz:

    Zitat: Das Web ist ein so schneller und sich rasant entwickelnder Ort, da kommen die Lehrer nicht mit und die Lehrbücher schon dreimal nicht.

    Also: ich bin „Lehrer“ (im Bereich Webdesign)… – komm ich jetzt automatisch nicht mehr mit, weil das Web so rasant schnell ist? Kann ich eigentlich nicht nachvollziehen.
    Möglicherweise ist das ja nur das Image von Lehrern, dass möglicherweise durch Einzelfälle (egal, ob viele oder wenige) unterstrichen wird. Dennoch wüsste ich keinen Grund, warum nicht auch AusbildnerInnen am aktuellen Stand sein könnten. Im Gegenteil: fachliche Weiterbildung ist ein wesentlicher Bestandteil des Lehrberufs, aber möglicherweise ist das vom Einzelnen abhängig.

    Aber, ehrlich gesagt, diese „rasant schnelle“ Entwicklung des Web habe ich auch nicht beobachtet. Vielleicht verwechselst du das mit den zahlreichen Browsern und -versionen. Vielleicht hab ich’s auch einfach nur nicht richtig verstanden.

    Ansich wäre das ein interessantes Diskussionsthema – aber nicht, wenn da schon im Vorfeld pauschal Behauptungen aufgestellt werden, die ausser unhöflich noch bestenfalls politisch unkorrekt sind.

    Jetzt fühle ich mich sogar wie ein Oberlehrer. Lag nicht in meiner Absicht, weil deine Seite ist einfach nur geil ist. Auch inhaltlich würde ich das meiste unterschreiben. Das meiste.^^

    lg & thx for all the fisch

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  5. Leonard Siebeneicher on

    Danke für den Artikel.

    Diese zweifelhafte Neigung die Autodidakten prinzipiell ‚Unvermögen‘ zu unterstellen …
    … gegenüber engagierten Menschen sollte man mehr Respekt zeigen.

    Das ist nur Fair.

    Gruß,
    Leonard

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  6. gestaltungsmetzger on

    den artikel kann ich genau so unterschreiben. meine ausbildung ist mittlerweile knapp 10 jahre her aber von azubis mit denen ich mich sop unterhalte weiss ich, das sich in den 10 jahren zumindest im webbereich an den berufschulen nichts geändert hat. im studium sieht das wohl nicht viel besser aus. im webbereich ist man in der tat nur erfolgreich, wenn man ständig am puls der zeit ist und sich weiterbildet. da habens die printler etwas einfacher. die druckvorlagenerstellung hat sich die letzten 20 jahre im grunde kaum verändert. zumindest kann jemand, der vor 20 jahren schon dtp gemacht hat mit dem fachwissen heute immer noch arbeiten. im webbereich wär das undenkbar. man denke nur an layouttabellen und inline-styles…

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  7. Drakoner on

    Zum Artikel:
    Informativ, provokativ und nach dem Motto „Nach besten Wissen und Gewissen“ genau richtig aufgefasst.
    Das provokativ muss übrigens nichts schlechtes heißen, auch nicht dann, wenn man es nicht in den richtigen Kontext stellen kann (wie den Text selbst ebenso).
    Autodidaktisches Lernen ist nach wie vor, vom Staat verkannt und übersehen (oder auch provokativ: ignorant und arrogant, mit Füßen getreten).

    Zu Daniel, dem Lehrer:
    Die Ausnahme bestätigt die Regel.
    Weiß nicht was von beidem auf dich zutrifft, da ich dich nicht selbst kenne. Aber meiner Auffassung nach ist unser Schulsystem (im generellen) überholt und sollte statt mit viel Geschwafel (wie es Politiker gerne tun, um uns einzulullen) durch tatsächliche Taten auf den neusten Stand gebracht werden. Das betrifft so ungern man es auch hört, die Gebäude, die Lehrer und im besonderen den Lernstoff.

    Für alle die, die Texte informativ gehalten haben, egal ob im schlechten, guten oder sogar neutralen Sinne, hier noch eine Empfehlung.

    http://www.piratenpartei.de/
    Notiz: Die Piratenpartei distanziert sich selbstredend von allem was ich hier geschrieben habe (bzw. generell von den Mit- und Nicht-Mitgliedern gesagten).

    Disclaimer (jo, den auch noch!): Ich habe hier meine Meinung geäußert auf das sie Andere lesen können, dies geschah im besten Wissen und Gewissen.

    Euer überzeugter Autodidakt
    Drakoner

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